1. Siegelbild: Das Mysterium des schaffenden Wortes

Als eine hellseherische Erscheinung sieht (der Seher) den Priesterkönig mit goldenem Gürtel, mit Füßen, die aus (glühendem) Metallguss zu bestehen scheinen, das Haupt bedeckt mit Haaren wie von weißer Wolle, aus dem Munde ein feuriges Schwert flammend und in der Hand die 7 Weltensterne: Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus. Unter den körperlichen Organen und Ausdrucksformen des Menschen sind solche, die in ihrer gegenwärtigen Gestalt die abwärtsgehenden Entwickelungsstufen früherer Formen darstellen, die also ihren Vollkommenheitsgrad bereits  überschritten haben (wie beispielsweise unser Ohr); andere aber stellen die Anfangsstufen der Entwickelung dar; sie sind jetzt gleichsam die Anlagen zu dem, was sie in der Zukunft werden sollen. Ein Organ, das in der Zukunft etwas viel Höheres, Vollkommeneres sein wird, als es gegenwärtig ist, stellt das Sprachorgan dar. Indem man dieses ausspricht rührt man an ein großes Geheimnis des Daseins, das oftmals auch das «Mysterium des schaffenden Wortes» genannt wird. Es ist damit eine Hindeutung auf den Zukunftszustand dieses menschlichen Sprachorgans gegeben, das einmal, wenn der Mensch vergeistigt sein wird, geistiges Produktions-, Zeugungsorgan wird. In den Mythen und Religionen wird diese geistige Produktion durch das sachgemäße Bild von dem aus dem Munde kommenden «Schwert» angedeutet. Der Anfangszustand der Menschheit, als die Erde noch in einem Zustande der Glutflüssigkeit war, ist dargestellt dadurch, dass die Füße des Menschen auf dem Bild in einem feurigen Metallfluss sind, (und) der Zukunftszustand ist dargestellt durch das feurige Schwert, welches aus dem Munde des Menschen hervorgeht, (denn) später wird der Mensch Wärme und zuletzt Licht schaffen, so wie er jetzt seine Gedanken in Worten der Luft mitteilt. Ein solches Bild wirkt nicht bloß auf die Imagination, sondern auch auf den Willen des Menschen, wenn wir in dieser Weise den großen Kräften der Natur zuschauen. Denn dieselbe Kraft, die als Urkraft im Willen des Menschen lebt, lebt auch in der ganzen äußeren Welt.

Siegel 1 stellt umfassend die ganze Erdenentwicklung des Menschen dar. Dieses sowie andere Siegel der Serie kann man in einem gewissen Sinne auch beschrieben finden in der Offenbarung St. Johannis (Apokalypse). «Und ich wandte mich hin, zu vernehmen die Laute, welche zu mir drangen; und da schaute ich sieben güldenen Lichter, und inmitten der Lichter des Menschensohnes Bild, mit langem Gewand und mit einem goldenen Gürtel um die Lenden; und sein Haupt und Haar waren weiß glänzend wie weiße Wolle oder Schnee, und seine Augen funkelnd im Feuer. Und seine Füße waren feuerflüssig wie im feurigen Ofen erglüht, und seine Stimme glich dem Zusammenklang rauschender Wassermassen. Und in seiner Rechten waren sieben Sterne, und aus sein Munde kam ein zweischneidiges scharfes Schwert und sein Antlitz in seinem Glänze glich der leuchtenden Sonne.» In allgemeinen Bilder wird da auf umfassendste Geheimnisse der Menschheitsentwickelung gedeuetet … Jedes Zeichen, jede Form an den Siegelbildern ist vielsagend, und was hier gesagt wird, kann nur etwas von vielem sein … Dieses Fortentwickeln vom Erdenanfang zum Erdenende erschließt sich dem «Seher», wenn er auf dem Astralplan das Urbild des werdenden Meschen erblickt, wie es im ersten Siegel wiedergeben ist.

Abb. links: Neben der in GA 284 publizierten Siegel von Clara Rettich ist hier eine andere Serie der von Rettich gemalten Siegel zu sehen, die den (verlorenen) Originalsiegeln nach Meinung des Rudolf-Steiner-Archivs näher steht. Rettich hat diese Serie auf die s/w Fotos der verlorenen
Originalsiegel gemalt. Die Herausgeber von GA 284 haben später eine der beiden Serien für den Druck ausgewählt. Von der anderen Serie gab es bislang keine Publikation innerhalb der GA. Sie sind zum ersten Mal gedruckt erschienen 2008 in der Dokumentation „Anthroposophie wird Kunst“ und hier ebenfalls zum ersten Mal publiziert.

Abb. oben: Eine Fassung von Arild Rosenkrantz. Erläuterung dazu siehe hier >>.

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