2. Siegelbild: Die Gruppenseele

Das 2. Siegel stellt mit dem entsprechenden Zubehör, einen der ersten Entwickelungszustände der Erdenmenschheit dar. Diese Erdenmenschheit hat in ihren Urzeiten nämlich noch nicht das entwickelt gehabt, was man Individualseele nennt. Es war damals noch das vorhanden, was bei den Tieren noch jetzt sich findet: Gruppenseele. Wer durch imaginatives Hellsehen die alten menschlichen Gruppenseelen auf dem Astralplan verfolgen kann, der findet die vier Arten derselben, welche in den vier apokalyptischen Tieren des 2. Siegels dargestellt werden: den Löwen, den Stier, Adler, den Menschen. GA34.597 In (ganz) ferner Zukunft wird sich der Mensch wiederum zum Zustand der Gruppenseele erheben, nur bewußt, in höherem Sinne. GA284.67 Die Gestalt, die in der Mitte ist, war in der alten Einweihung nur als die 5. der Gruppenseelen angedeutet. Sie ist das, was in der Menschheit der alten Zeit erst in der Keimanlage vorhanden war und erst in der christlichen Einweihung herausgekommen ist als das, was man auch als Menschensohn bezeichnet, der die sieben Sterne beherrscht, wenn er völlig in seiner wahren Gestalt vor dem Menschen auftritt. GA104.64

Der Mensch war noch nicht dicht physisch da, als das Tier schon im Fleisch vorhanden war. Er war eine feine Luftwesenheit, selbst in den lemurischen Zeiten noch. Und er hat sich so herausgegliedert, dass sich das hellseherische Bild darstellt mit den 4 Gruppenseelen. So kommt aus dem Dunkel des Devachan heraus der Mensch. Und das, was ihn an Kraft ausgebildet hat, das erscheint in einer Art Regenbogenbildung. Die mehr physischen Kräfte umgeben die ganze Bildung dieses Menschen wie ein Regenbogen. Auf dem Siegel haben Sie herauskommend aus dem unbestimmten Geistigen diese 4 Gruppenseelen, den Regenbogen ringsherum und eine 12-Zahl. Und das, wovon es umgeben ist, das symbolisierte man in alten Zeiten in dem Tierkreis, in den 12 Zeichen des Tierkreises. Die Bewegung der Weltenkörper trat erst mit dem Saturn ein, und man fasste die Bahn, die angedeutet wird durch die 12 Zeichen des Tierkreises, als Anzeichen dafür auf. Und während ein Planet in einem solchen Sternbild lief, sprach man von einer Weltenstunde. 12 Weltenstunden, Tagstunden 12 und Nachtstunden 12! Einem jedem Weltenkörper, dem Saturn, der Sonne und dem Monde wird zugezählt eine Aufeinanderfolge von Weltenstunden, die sich zu Weltentagen gruppieren und zuletzt so, dass von diesen 12 Zeiträumen 7 äußerlich wahrnehmbar sind und 5 mehr oder weniger äußerlich unwahrnehmbar verlaufen. Man unterscheidet daher 7 Saturnkreisläufe oder 7 große Saturntage und 5 große Saturnnächte. Sie können auch sagen, 5 Tage und 7 Nächte, denn der erste und letzte Tag sind Dämmerungstage. Man ist gewohnt, solche 7 Kreisläufe, 7 Weltentage «Manvantara » zu nennen und die 5 Weltennächte «Pralaya». Wenn man es ganz entsprechend unserer Zeitenzählung haben will, dann zählt man je 2 planetarische Zustände zusammen, also Saturn und Sonne, Mond und Erde. Dann erhält man je 24 Kreisläufe. Diese 24 Epochen denkt man sich geregelt durch Wesenheiten im Weltenall, die Ihnen in der Apokalypse als die 24 Ältesten angedeutet werden. Auf dem Siegelbild sind sie angedeutet als die Weltenuhr. Die einzelnen Ziffern der Uhr sind hier nur unterbrochen durch die Doppelkronen der Ältesten, um anzudeuten, dass das die Zeitenkönige sind, weil sie die Umläufe der Weltenkörper regeln. So sieht der Eingeweihte zunächst zurück in dieses Bild der Vorzeit. Nun aber müssen wir uns fragen: Warum sieht der Eingeweihte dieses Bild? – Weil in diesem Bilde symbolisch-astralisch dargestellt werden die Kräfte, die in seiner heutigen Gestalt den menschlichen Ätherleib und danach den physischen gebildet haben. GA104.59f

In dem Moment, wo der Astralleib den Ätherleib berührt, um sich in ihm abzudrucken, da ist der Mensch von diesen Kräften, die ihn gebildet haben durchdrungen, er sieht da das Bild dieser Kräfte, die im 2. Siegel symbolisiert sind. Was ihn erhält und zusammenhängend macht mit dem ganzen kosmischen Weltenall, das leuchtet auf in diesem Moment der Einweihung. Er sieht dasjenige, was die beiden Glieder seiner Wesenheit, den physischen und den Ätherleib, gebildet hat, was sie jede Nacht in ihrem Leben aufrecht erhält. Wie steht es nun mit dem, was während des Schlafes herausgerückt ist beim gewöhnlichen Menschen, wie steht es mit dem astralischen Leib und dem Ich? (Wenn) der Mensch sich bewusst wird der seelischen Eigenheiten, der seelisch-menschlichen Eigenschaften der astralischen Welt und der devachanischen Welt, aus der er eigentlich herausgeboren ist seiner Seele nach. Und es tritt daher zu diesem (dem 2. Siegel) Bild ein noch höheres Symbolum, das die ganze Welt zu erfüllen scheint. Zu diesem Symbol der alten Einweihung tritt für den, der durch die Johannes-Einweihungsstufen geht, etwas hinzu, was am besten durch das 1. Siegel dargestellt wird. GA104.63f

Abb. links: Neben der in GA 284 publizierten Siegel von Clara Rettich ist hier eine andere Serie der von Rettich gemalten Siegel zu sehen, die den (verlorenen) Originalsiegeln nach Meinung des Rudolf-Steiner-Archivs näher steht. Rettich hat diese Serie auf die s/w Fotos der verlorenen
Originalsiegel gemalt. Die Herausgeber von GA 284 haben später eine der beiden Serien für den Druck ausgewählt. Von der anderen Serie gab es bislang keine Publikation innerhalb der GA. Sie sind zum ersten Mal gedruckt erschienen 2008 in der Dokumentation „Anthroposophie wird Kunst“ und hier ebenfalls zum ersten Mal publiziert.

Abb. oben: Eine Fassung von Arild Rosenkrantz. Erläuterung dazu siehe hier >>.

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