6. Siegelbild: Michael und der Drache

Das 6. Siegel stellt den weiterentwickelten Menschen mit noch größerer Macht u?ber niedere Kräfte des Weltalls dar. GA34.599 Der also bis zur hohen Vergeistigung heraufgestiegene Mensch ist der Gestalt des Michael gleich; der das, was böse ist auf der Welt, in dem Symbolum des Drachens gefesselt hält. GA284.76 Die Kraft, durch welche der Sonnengenius u?berwinden läßt diese Ausgestoßenen, die sie hinuntertreibt in den Abgrund, diese Kraft wird genannt das Antlitz des Sonnengenius, Michael. Das wird dargestellt durch das dem Seher erscheinende Bild von Michael, der den Schlu?ssel zum Abgrund und die Kette in seiner Hand hat, der bei Gott steht und die entgegengesetzten Kräfte gefesselt hält. GA104. 232f

Es könnte die Frage auftauchen: Hätte es sich nicht für eine weise Vorsehung besser geziemt, von vornherein dieses furchtbare Schicksal (des Abgrundes) abzuwenden? Wäre es unmöglich, daß der Mensch in die Abgründe des Bösen hineinsegelt, dann wäre auch das für den Menschen nicht erreichbar, was wir auf der einen Seite Liebe und auf der anderen Seite Freiheit nennen, denn für den Okkultisten ist die Freiheit untrennbar verknüpft mit dem Begriff der Liebe. Ein Mensch, der nicht die Möglichkeit hätte, aus eigenem freien Entschluß das Gute oder auch das Böse zu wählen, der wäre ein Wesen, das nur am Gängelband zu einem notwendig zu erreichenden Guten geführt würde. GA104. 234f Eine fast unabänderliche Anlage für den Abgrund hat nur derjenige, der heute schon irgendwie verstrickt wird in die Fangarme des 2-hörnigen Tieres, des großen Verführers zu den Künsten der schwarzen Magie. Und selbst für solche Menschen, die heute auf die Künste der schwarzen Magie hereinfallen, gibt es in der Zukunft noch einmal eine Möglichkeit, umzukehren. GA104.236 Diejenigen, die heute so dahinleben in den Tag hinein, die heute gar nicht berührt werden von der spirituellen Weltanschauung, die haben die geringste Möglichkeit, in die Kreise der schwarzen Magie hineinzukommen. Diejenigen aber, die heute beginnen, auf eine unrechtmäßige Weise sich an das spirituelle Leben heranzumachen, die nehmen eigentlich in den ersten Anfängen in sich die Anlage auf von etwas, was man schwarze Magie nennen könnte. Und nur ganz wenige Individuen gibt es, die heute schon der schwarzen Magie in jenem furchtbaren Sinn verfallen sind. GA104.238

Dieses Wesen selbst, das wir als das 2-hörnige Tier charakterisiert haben, brauchen wir uns durchaus nur so vorzustellen, dass es als verführendes Wesen von ganz anderer Art als der Mensch ist. Es stammt aus anderen Weltperioden, hat anderer Weltperioden Neigungen angenommen und wird sich tief befriedigt fühlen, wenn es auf Wesen stößt, wie diese bösen Wesen sein werden, die sich geweigert haben, innerlich anzunehmen, was Gutes aus der Erde fließen kann. (Dieses 2-hörnige Wesen) Sorat hat kommen sehen die Erdentwickelung, aber es hat sich gesagt: Ich bin nicht mit der Erde so fortgeschritten, dass ich von dem irdischen Dasein irgend etwas haben kann. – Dieses Wesen hätte nur dadurch etwas haben können von der Erde, wenn es in einem bestimmten Augenblick die Herrschaft hätte erlangen können, nämlich da, wo das Christus-Prinzip herunter gestiegen ist auf die Erde. Wenn dieses Christus-Prinzip damals im Keim erstickt worden wäre, wenn der Christus von dem Widersacher hätte überwunden werden können, dann allerdings wäre es möglich gewesen, daß die Erde in ihrer Ganzheit diesem Sorat-Prinzip verfallen wäre. Das ist aber nicht der Fall gewesen, und so muß sich dieses Wesen begnügen mit den Abfällen, die sich nicht hingeneigt haben zum Christus- Prinzip, mit jenen Menschen, die in der Materie stecken geblieben sind. Die werden in der Zukunft seine Heerscharen sein. GA104.240

Das Neue Jerusalem
Diejenigen Menschen, die das Ziel der Erdentwickelung erreichen werden, werden dann einen ganz und gar vom Ich mit dem geistigen Inhalt, den sie sich erarbeitet haben, durchdrungenen astralischen Leib haben, sie werden dieses Bewußtsein als ein Ergebnis, als eine Frucht der Erdentwickelung haben und hinübertragen in die Jupiterentwickelung. Wir können sagen, dass der Mensch, wenn die Erdenzeit so zu Ende gegangen ist, Fähigkeiten erlangt hat, die symbolisch dargestellt werden durch die Erbauung des Neuen Jerusalem. Da wird der Mensch schon hineinblicken in jene Bilderwelt des Jupiter. Das Geistselbst, Manas ist dann ausgebildet in ihm. Das ist das Ziel der Erdentwickelung. GA104. 243f Das Ziel der Erdentwickelung ist (also) die Umwandlung des astralischen Leibes. Allerdings ist auch notwendig, daß der Ätherleib auch Wirkungen empfangen kann von dem, was der Mensch im astralischen Leib heranbildet. Der Mensch kann noch nicht durch sich selbst in diesen Ätherleib hineinwirken. Auf dem Jupiter, wenn der Mensch seinen astralischen Leib umgebildet haben wird, wird er fähig werden, auch in diesen Ätherleib hineinzuwirken. Heute aber kann er das nicht, heute braucht er sozusagen noch Helfer. Auf dem Jupiter wird der Mensch fähig werden, die eigentliche Arbeit am Ätherleibe zu beginnen. Auf der Venus wird er am physischen Leibe arbeiten; das ist der am schwersten zu überwindende Teil. Heute aber muss der Mensch noch die beiden, den physischen und den Ätherleib, nachts im Bett liegen lassen und herauskommen. Dass aber dennoch zunächst der Ätherleib seine Wirkungen empfängt, so daß der Mensch allmählich lernt hineinzuarbeiten in den Ätherleib, dazu braucht er einen Helfer, die Christus-Wesenheit, während wir diejenige Wesenheit, die dem Menschen hilft, in den physischen Leib hineinzuarbeiten, als den «Vater» bezeichnen. Bevor aber nicht der Helfer kommt, der es ermöglicht, in den Ätherleib hineinzuarbeiten, kann der Mensch nicht in seinen physischen Leib hineinarbeiten: «Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. «Niemand erlangt die Fähigkeit, in den physischen Leib hineinzuarbeiten, der nicht erst durch das Christus-Prinzip hindurchgegangen ist. GA104. 244f

Erster Tod –  zweiter Tod. Im Leben kann sich der Mensch einen Genuss verschaffen, nach dem Tode nicht. Die Begierde hört aber nicht auf, denn sie hat nicht im physischen, sondern im Astralleib ihren Sitz. Weil nun das physische Werkzeug fehlt, so fehlt auch die Möglichkeit diese Begierde zu befriedigen. Solche Menschen schauen im Kamaloka hinunter in die physische Welt, die sie verlassen haben, sie schauen da, was ihnen jetzt noch Genuss machen könnte und dadurch kommt jener brennende Durst in sie. Denken Sie an den letzten Tod, der möglich ist in der Erdentwickelung, an das letzte Ablegen des physischen Leibes. Dies ist das, was in der Apokalypse der erste Tod genannt wird. Und diejenigen, die das Christus-Prinzip aufgenommen haben, sehen diesen physischen Leib sozusagen, wie eine abfallende Schale. Für sie hat jetzt der Ätherleib Bedeutung. Der ist mit Hilfe des Christus so organisiert, dass er dem astralischen Leib vorderhand angepasst ist. Nur mit all dem, was durch die Hilfe des Christus in den Ätherleib hineingebracht worden ist, leben die Menschen jetzt weiter in der vergeistigten Erde. Dagegen gibt es die anderen, die das Christus-Prinzip nicht in sich aufgenommen haben. Den physischen Leib müssen auch sie verlieren. Ein Ätherleib bleibt zurück, dem nicht der Christus geholfen hat, dem astralischen Leib angepaßt zu sein, der hingeordnet ist nach dem physischen Leib. Das sind diejenigen Menschen, die heiße Begierdenglut empfinden werden nach der physischen Sinnlichkeit. Und dann tritt in der weiteren Entwickelung ein Zustand ein, wo die Vergeistigung der Erde so fortschreitet, dass es auch keinen Ätherleib mehr geben kann. Diejenigen aber, die in ihrem Ätherleib die Begierde nach dem haben, was vergangen ist, die können diesen Ätherleib auch nicht behalten, wenn alles astralisch wird. Er wird ihnen genommen werden, wird aus ihnen gerissen werden, und jetzt empfinden sie das als ein zweites Sterben, als den «zweiten Tod». Dieser zweite Tod geht an den anderen, die ihren Ätherleib mit dem astralischen Leib durch Aufnahme des Christus-Prinzips harmonisch gemacht haben, unvermerkt vorüber. Über sie hat der zweite Tod keine Macht. GA104.246ff

Der neue Jupiter wird begleitet sein wie von einem Trabanten von denjenigen, die ausgeschlossen sind von dem Leben im Geistigen, die den zweiten Tod erlebt haben, die daher keine Möglichkeit haben, das Jupiterbewußtsein zu erlangen. Selbst auf diesem Jupiter gibt es noch eine letzte Möglichkeit, durch die starke Kraft, welche die Vorgerückteren haben, diese also Hinuntergesunkenen noch einmal zur Umkehr zu bewegen und auch eine Anzahl zur Umkehr zu bringen. Erst bei der Venusverkörperung wird die allerletzte, die unabänderliche Entscheidung fallen. GA104.248f Dann wird gesagt ein merkwürdiges Wort: «Hie ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl.» Die alte Hellsehergabe hat der Mensch verloren, und dafür hat er den Verstand eingetauscht und ist heruntergestiegen in die Materie. Dieser Verstand kann eine wichtige Hemmung sein für die spirituelle Entwickelung. Nichts anderes wird es zuletzt sein, was den Menschen gründlich davon abhalten kann, zum Christus Prinzip zu kommen, als dieser verführte Verstand, diese verführte Intelligenz. Und wenn diejenigen, die zuletzt dem 2-hörnigen Tier verfallen werden, zurückblicken könnten auf das, was ihnen eigentlich den bösen Streich gespielt hat, dann würden sie sagen: Zwar ist die Anlage zum Abgrund erst später gekommen, aber was mir verfinstert hat das Christus-Prinzip, das ist der Verstand. – Oh, derjenige, der diesen Verstand hat, der überlege sich die Zahl des Tieres. GA104. 249ff

Abb. links: Neben der in GA 284 publizierten Siegel von Clara Rettich ist hier eine andere Serie der von Rettich gemalten Siegel zu sehen, die den (verlorenen) Originalsiegeln nach Meinung des Rudolf-Steiner-Archivs näher steht. Rettich hat diese Serie auf die s/w Fotos der verlorenen
Originalsiegel gemalt. Die Herausgeber von GA 284 haben später eine der beiden Serien für den Druck ausgewählt. Von der anderen Serie gab es bislang keine Publikation innerhalb der GA. Sie sind zum ersten Mal gedruckt erschienen 2008 in der Dokumentation „Anthroposophie wird Kunst“ und hier ebenfalls zum ersten Mal publiziert.

Abb. oben: Eine Fassung von Arild Rosenkrantz. Erläuterung dazu siehe hier >>.

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