7. Siegelbild: Das Mysterium vom Heiligen Gral

Auf dem letzten Siegel sieht man, wie dem Apokalyptiker hellseherisch die Regelmäßigkeit des Neuen Jerusalem sich ausdrückt. GA 104. S. 251 Dieses Siegel ist das von dem Mysterium des Gral, wie es in der vom 14. Jahrhundert beginnenden esoterischen Strömung heimisch war. Es findet sich auf dem Bilde ein Würfel, die Raumeswelt darstellend, daraus von allen Seiten des Würfels entspringend die Weltenschlange, insofern sie die im niederen sich auslebenden höheren Kräfte darstellt; aus dem Munde der Schlange die Weltenlinie als Spirale – das Sinnbild der gereinigten Kräfte; und daraus entspringend, der «heilige Gral», dem die «Taube» gegenübersteht: dies alles hinweisend – und zwar ganz sachgemäß – auf das Geheimnis der Weltzeugung, von der die irdische ein niederer Abglanz ist. GA 34. S. 599 Der durchsichtige Würfel unten, stellt dar einen durchsichtigen Diamantwürfel, der aus reinem Kohlenstoff besteht. Wenn der Mensch so weit sein wird, daß er den Kohlenstoff (statt ihn nur auszuatmen) selbst zum Leib-Aufbau verwenden wird – ohne Mitwirkung der Pflanze –, dann wird er den Würfel erzeugen. Da wird der Mensch so weit sein, daß er nicht nur erkennen wird die drei Dimensionen, sondern auch die entgegenkommenden Kontradimensionen: daher kommen im Spiegelbilde den drei Dimensionen die drei anderen entgegen. Diese Kontradimensionen stellen dar, was der Mensch einstmals, wenn er das Physische im Geiste überwunden hat, erreichen wird. Die Schlangen bedeuten das Hinaufentwickeln zum Höheren. Es ist das in dem Siegel in violettbläulichen Windungen als ein Lichtbild angedeutet. Dieses Lichtbild der Schlange bedeutet die hingebungsvolle Natur der Erkenntnis. Nur diese darf erfassen die Weltenspirale im Merkurstab, die dann feurig sein wird, die sich herauswindet aus der reinen Erkenntnis. Dann wandelt sie sich um zu dem nach abwärts gewendeten reinen Kelch. Der Pflanzenkelch ist heute keusch, frei nach oben gerichtet; beim Menschen ist es umgekehrt. Aber der Menschenkelch wird wiederum keusch sein, wird sich nach abwärts wenden - daher ist der Gral hier dargestellt als ein nach abwärts gewendeter Kelch. Der reine Mensch, der unschuldig gewordene Mensch ist dargestellt in der Taube. Der Regenbogen deutet den siebenfältig-schaffenden Menschen an. GA 284. S. 69
Derjenige, der als Okkultist unsere Welt kennenlernt, weiß, daß der Raum noch etwas ganz anderes ist für die physische Welt als eine bloße Leerheit. Der Raum ist die Quelle, aus der sich alle Wesen gleichsam physisch herauskristallisiert haben. Diesen Raum, in den das göttliche Schöpfungswort hineingesprochen wird, stellt der Okkultist dar durch den wasserhellen Würfel. Die drei Dimensionen des Raumes stellt der Würfel dar. Und nun denken Sie sich zu diesen drei Dimensionen, wie sie draußen in der physischen Welt sind, die Gegendimensionen hinzu. Sie können sich das etwa so vorstellen, daß ein Mensch in einer Richtung geht und ein anderer ihm entgegenkommt und beide zusammenstoßen. In ähnlicher Weise gibt es zu jeder Raumdimension eine Gegendimension, so daß wir im ganzen 6 Strahlen haben. Diese Gegenstrahlen stellen zugleich die Urkeime der höchsten Glieder der menschlichen Wesenheit dar. Der physische Leib aus dem Raum herauskristallisiert, ist das Niedrigste. Das Geistige, das Höchste ist das Gegenteil; es wird dargestellt durch die Gegendimension. Hier formen sich in der Entwickelung zunächst die Gegendimensionen zu einer Wesenheit, die man am besten darstellen kann, indem man sie zusammenfließen läßt zu der Welt der Leidenschaften, Begierden, Instinkte. Das ist sie zunächst. Dann später wird sie etwas anderes. Immer mehr und mehr läutert sie sich, aber ausgegangen ist sie von den niederen Trieben, die symbolisiert sind durch die Schlange. Dieser Vorgang ist symbolisiert durch das Zusammenlaufen der Gegendimensionen in zwei Schlangen, die einander gegenüberstehen. Indem sich die Menschheit reinigt, steigt sie auf zu dem, was man die Weltenspirale nennt. GA 284. S. 77

Diese Siegel sind wesentlich mehr als gewöhnliche Symbole. Wer das, was in ihnen dargestellt wird, einfach mit dem Verstande sinnbildlich deuten will, der ist in den Geist der Sache nicht eingedrungen. Man sollte den Inhalt dieser 7 Bilder mit seiner ganzen Seele, mit dem ungeteilten Gemüte erleben, man sollte ihn in sich nach Form, Farbe und Inhalt seelisch gestalten, so daß er innerlich in der Imagination lebt. Denn dieser Inhalt entspricht ganz bestimmten astralen Erlebnissen des Hellsehers. GA 34. S. 594 Die Erde als planetarischer Körper ist der Leib des Christus. In dem Augenblick auf Golgatha, wo das Blut aus den Wunden des Erlösers floß, ist die Erde durchdrungen worden von der Christus-Kraft. Durch dieses Ereignis kann sich die Erde dereinst wieder mit der Sonne vereinigen. Diese Kraft wird wachsen. Das ist die Kraft, die unseren Ätherleib vor dem zweiten Tod bewahrt. Christus wird immer mehr der Erdgeist, und derjenige, der ein rechter Christ ist, versteht die Worte: «Wer mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen». Die Erde als planetarischer Körper ist der Leib des Christus, freilich erst im Anfange. Und wenn sich die Erde später mit der Sonne vereinigen wird, wird der große Erdgeist Christus Sonnengeist sein. GA 104. S. 252f

Abb. links: Neben der in GA 284 publizierten Siegel von Clara Rettich ist hier eine andere Serie der von Rettich gemalten Siegel zu sehen, die den (verlorenen) Originalsiegeln nach Meinung des Rudolf-Steiner-Archivs näher steht. Rettich hat diese Serie auf die s/w Fotos der verlorenen
Originalsiegel gemalt. Die Herausgeber von GA 284 haben später eine der beiden Serien für den Druck ausgewählt. Von der anderen Serie gab es bislang keine Publikation innerhalb der GA. Sie sind zum ersten Mal gedruckt erschienen 2008 in der Dokumentation „Anthroposophie wird Kunst“ und hier ebenfalls zum ersten Mal publiziert.

Abb. oben: Eine Fassung von Arild Rosenkrantz. Erläuterung dazu siehe hier >>.

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