Zukunft der Technik

Die Natur fängt an, sich aus dem eigenen Innern neu zu bilden. Ihr höchststehender Teil - der Mensch - wandelt sie um. Zunächst in ungeschickter Weise schafft die Menschheit die Erde, aus Versuch und Irrtum lernend, neu. Die Kunst des Handwerkers, die Technik, ist der hauptsächliche Ausdruck dieser Schaffenskraft. In der Zukunft wird der Mensch lebendige, empfindende Maschinenwesen bauen, und er wird mit diesen seinen Geschöpfen immer enger zusammenwachsen. Die Symbiose von Mensch  und Maschine, die in unserer Zeit anfängt, wird eines Tages eine vollständige sein. Wenn die Menschheit häßliche, zerstörerische Maschinen baut, so wird unsere Welt  abstoßend und böse sein. Doch wenn der Mensch eine anmutsvolle, moralische Technik schafft, wird unsere Welt ein Ort der Schönheit werden. Beides ist möglich.
Wie können wir eine anmutsvolle, moralische Technik schaffen? Welche Prinzipien sollen uns dabei lenken, welche Methoden sollen wir dazu verwenden?

Rudolf Steiner war der Ansicht, daß dies zentrale Fragen unserer eigenen Zeit wie auch der Zukunft seien. Er sagte: «Die eine große Lebensfrage kann damit bezeichnet werden, daß man sagt: Es soll versucht werden, das Geistig-Ätherische in den Dienst des äußeren praktischen Lebens zu stellen. - Ich habe Sie aufmerksam darauf gemacht, daß der fünfte nachatlantische Zeitraum das Problem wird lösen müssen, wie menschliche Stimmungen, die Bewegung menschlicher Stimmungen sich in Wellenbewegung auf Maschinen übertragen lassen, wie der Mensch in Zusammenhang gebracht werden muß mit dem, was immer mechanischer und mechanischer werden muß (...) Diese Dinge dürfen nicht so behandelt werden, als ob man sie bekämpfen müsste. Das ist eine ganz falsche Anschauung. Diese Dinge werden nicht ausbleiben, sie werden kommen. Es handelt sich nur darum, ob sie im weltgeschichtlichen Verlaufe von solchen Menschen in Szene gesetzt werden, die mit den großen Zielen des Erdenwerdens in  selbstloser Weise vertraut sind und zum Heil der Menschen diese Dinge formen, oder ob sie in Szene gesetzt werden von jenen Menschengruppen, die nur im egoistischen oder gruppenegoistischen Sinne diese Dinge ausnützen. Darum handelt es sich. Nicht auf das Was kommt es in diesem Falle an, das Was kommt sicher; auf das Wie kommt es an, wie man die Dinge in Angriff nimmt. Denn das Was liegt einfach im Sinne der Erdenentwickelung. Die Zusammenschmiedung des Menschenwesens mit dem maschinellen Wesen, das wird für den Rest der Erdenentwickelung ein großes, bedeutsames Problem sein.»1

Wir sind bereits in das Zeitalter getreten, in welchem sich diese Probleme im Alltagsleben stellen. Wir stehen heute vor der Frage, wie die Schwingungen des menschlichen Seelenlebens in der rechten Art auf Maschinen u?bertragen werden können. Um diese Frage anzugehen, muß man im Bewußtsein tragen, daß es grundsätzlich zwei verschiedene Wege gibt, auf denen Menschen
mit Maschinen «zusammengeschmiedet» werden können:
• durch Mechanik - vermittels empfindender Mechanismen, die auf die rhythmischen Lebenskräfte der Seele abgestimmt werden. Der Mechanismus wird dem Menschen angepaßt, der seine volle Freiheit wahrt;
• durch Elektronik - vermittels elektromagnetischer Geräte, die auf die Todeskräfte innerhalb des Nervensystems abgestimmt sind. Der Mensch wird der Maschine angepaßt. Die Seele gerät in die Knechtschaft des ahrimanischen Doppelgängers.

Bei vielen Gelegenheiten, als Rudolf Steiner über die Technik der Zukunft sprach, gab er seiner Sorge Ausdruck, die Menschheit werde auf dem zweiten Wege weiterschreiten. Er sah die Entstehung der digitalen Elektronik voraus und bemühte sich, deren wahres Wesen und inneres Potential einer Hörerschaft verständlich zu machen, die in jener Zeit kaum imstande war, zu verstehen, was er sagte:

«Ich habe voll bedacht öfter jetzt darauf aufmerksam gemacht, auch in öffentlichen Vorträgen, daß das Bewußtsein des Menschen zusammenhängt mit abbauenden Kräften. Zweimal habe ich es in öffentlichen Vorträgen in Basel gesagt: In unser Nervensystem hinein ersterben wir. Diese Kräfte, diese ersterbenden Kräfte, sie werden immer mächtiger und mächtiger werden. Und es wird die Verbindung hergestellt werden zwischen den im Menschen ersterbenden Kräften, die verwandt sind mit elektrischen, magnetischen Kräften und den äußeren Maschinenkräften. Der Mensch wird gewissermaßen seine Intentionen, seine Gedanken hineinleiten können in die Maschinenkräfte. Noch unentdeckte Kräfte in der Menschennatur werden entdeckt werden, solche Kräfte, welche auf die äußeren elektrischen und magnetischen Kräfte wirken.»2

Computer und digitale Elektronik im allgemeinen sind ein erster Schritt in diese Richtung. Vom geistigen Gesichtspunkt aus gesehen, sind die in der Mechanik und die in der Elektronik verwendeten Kräfte Gegensätze. Moralische Technologie beruht auf einer Weiterentwicklung der Mechanik, in welcher sensitive Schwingungsmechanismen konstruiert werden, die auf die rhythmischen Lebensprozesse des menschlichen Herzens und der menschlichen Lunge reagieren können.

Paul Emberson
1 Vortrag vom 25. November 1917, in GA 178.
2 A. a. O.
Quelle: Anthro-Tech News, The newsletter of the Anthro-Tech
Institute for research into the application of Spiritual Science in
technology, Nr 4, Winter 1996/97. Aus dem Editorial.
Übersetzt von T. Meyer.